Bremsen bei Nässe

Ein grundsätzliches Problem aller Felgenbremsen; ist das Bremsen bei Nässe:

Ein dünner Wasserfilm legt sich zwischen Felge und Bremsgummi und verringert kurzfristig aber rigoros die zum Bremsen nötige Reibung. Nach wenigen Radumdrehungen ist dieser Film durchgebremst und dann greift die Bremse richtig zu. Folge: Der Bremsweg verlängert sich und der schlagartige "Zugriff" der Bremse (nach dem Durchbremsen des Wasserfilms) kann zum Blockieren des Laufrades führen. Um dem entgegenzuwirken wird mit Überschliffenen Felgenflanken oder Spezialgummis versucht, eine höhere Bremsleistung zu erreichen und da sollt einiges bedacht werden.

Hintergrundinfos

Mit einer erhöhten Bremsleistung sind ungeübte Radfahrer oft überfordert. Zu abrupt in die "Eisen" gelangt, schmiert das Vorderrad nach dem Durchbremsen des Wasserfilms seitlich weg oder aber bei Trockenheit geht es über den Lenker. Selbst geübte Radfahrer beklagen unfreiwillige "Abgänge", wenn in Notsituationen die Bremse nicht dosiert betätigt, sondern reflexartig "voll" bis zum Lenker durchgezogen wird.  Fazit: "Zu gut darf eine Bremse auch wieder nicht sein".

Überschliffene Felgenflanken haben eine rauhe Oberflächenstruktur, deren Erhebungen unverzüglich vom Wasserfilm befreit wird. Damit steigert sich die Bremswirkung bei Nässe erheblich. Leider ist das keine dauerhafte Angelegenheit. Erfahrungsgemäß ist nach 1.500 Fahrkilometern die Felge, egal, ob vorher eloxiert oder aufgerauht, von den Bremsgummis blankgeschmirgelt.

Nassbremsgummis erzielen in der Regel eine höhere Bremswirkung bei Nässe, indem beigemischte, härtere und körnige Bestandteile sozusagen punktuell den Wasserfilm durchdrücken. Ihr Nachteil: Ein schnellerer Abrieb am Gummi selbst oder an der Felge. Man kann also wählen zwischen viel Wartungsarbeit oder einer geringeren Lebenserwartung der Felgen.

Abgesehen davon gibt es noch eine Möglichkeit, die Bremsleistung bei Nässe ohne Erhöhung der Trockenbremsleistung zu realisieren: Einfach die Bremsgummis verkleinern. Wie wir alle einmal im Physikunterricht gelernt haben, ist die Reibung zwischen zwei aufeinander gleitenden Körpern unabhängig von der Kontaktfläche. Andererseits schwillt bei einer kleineren Fläche der Anpressdruck pro Flächeneinheit an und entsprechend schneller "knacken" kleinere Bremsgummis den Wasserfilm - selbstredend zu Lasten der Bremsgummi-Lebensdauer. Ein Privatprojekt mit verkleinerten handelsüblichen Bremsgummis zeigte jedoch, dass diese Stopper nach einer Gebirgstour mit immerhin 15.000 Höhenmetern mal eben zu einem Drittel verschlissen waren. Mit anderen Worten, der Abrieb solcher "getunten Bremsgummis" liegt immer noch bei weitem unter dem von einigen Nassbremsgummis.

Inzwischen ist auch eine etwas teurere Methode zur Optimierung der Nassbremswirkung in aller Munde: Keramikfelgen. Bei diesen preislich bei ca. EURO 75,- angesiedelten Felgen sind die Bremsflächen mit einer enorm verschleißfesten Keramik-Beschichtung versehen. Eine minimale Oberflächen-Rauhheit bietet den Bremsgummis einen beinahe doppelt so guten Nässe-Grip. Bei Trockenheit bleibt die Bremswirkung im Rahmen der anderen Alu-Felgen. Wenn auch bei diesen Felgen die Bremsgummis gegen einen vorzeitigen Verschleiß kämpfen, ist ihnen doch ein weiterer positiver Sicherheitsaspekt zu Eigen: Der Unterschied beim Nass- oder Trockenbremsen fällt kleiner aus - der Radfahrer wird also keinen krassen Wirkungs-Differenzen ausgesetzt. Gefährlich ist halt, wie weiter oben schon erläutert, jener Moment bei herkömmlichen Felgen, in dem die Felge trockengebremst ist. Dann kann innerhalb von ein paar Zehntel Sekunden die Bremswirkung um den Faktor vier und mehr ansteigen.

Bedacht werden sollte auch: Reifen besitzen bei Nässe ja ohnehin eine niedrigere Haftwirkung, die Laufräder neigen schneller zum Blockieren. Deshalb wäre es bestimmt sinnvoller und der Sicherheit dienlicher, Bremskraft-Begrenzungen oder Antiblockiersysteme für das Velo zu entwickeln. Bestrebungen, denen in letzter Zeit mit Bremsmodulatoren (Shimano Nexave oder Federblöcke im Brems-Außenzug) realisiert worden sind.